Die fortschreitende Globalisierung betrifft zunehmend auch unsere Ernährung. Lebensmittel, die in Schweizer Supermärkten gekauft werden, kommen oft von weither. Das Spektrum der importierten Produkte reicht von Kaffee und tropischen Früchten über Gemüse und Fleisch bis hin zu Wasser, Mehl und weiteren Grundnahrungsmitteln. Die zum Teil extremen Entfernungen spielen dank verfügbarer Technik und moderner Logistik keine Rolle mehr und machen sich kaum in unseren Portemonnaies bemerkbar. Die permanente Verfügbarkeit diverser Lebensmittel ist für uns heute selbstverständlich und für unser Essverhalten unentbehrlich geworden. Diesen Umstand will Dinner for two durch eine spielerisch-plakative Nachstellung der etablierten Import-Export-Schemata näher ausleuchten.


Für die Zubereitung des geplanten Mahls haben wir die Köchin Magdalena Baranya angefragt. Mit ihrer Unterstützung stellten wir ein Menü aus 3 Gängen zusammen, das einem durchschnittlichen mitteleuropäischen Geschmack entsprach. Nun mussten die hierfür benötigten Zutaten eingekauft werden. Wir recherchierten nach der Herkunft aller erforderlichen Produkte, die wir in ihren jeweiligen Herstellungsländern direkt bestellen wollten.

Mit einigen Einkäufen konnten wir unsere Freunde und Verwandte beauftragen, die sich zu diesem Zeitpunkt im Ausland aufhielten. Andere mussten direkt bei den ErzeugerInnen über das Internet bestellt werden. Bei allen Bestellungen war es uns wichtig, genau so viel vom jeweiligen Produkt zu erwerben, wie wir für das bevorstehende Essen benötigten.



Die Lebensmittel erreichten uns über unterschiedliche Wege: persönlich, per Post oder per Kurier bei besonders schnell verderblichen Produkten. Alle unsere LieferantInnen wurden gebeten, ein Foto vom Laden, an dem sie die Produkte gekauft haben, zu schiessen und auf eine Kaufquittung zu bestehen (Die ausführliche Dokumentation aller Bilder, Quittungen und Mailwechsel findet sich im projekteigenen Blog).

Im Rahmen der Ausstellung Nahrung in der Shedhalle haben wir eine kleine Bühne mit einem Tisch, Stühlen und Gedeck für 2 Personen eingerichtet. Vor dem Bühnenarrangement installierten wir eine Verlosungsurne, an der die AusstellungsbesucherInnen die Möglichkeit erhielten, Lose zu erwerben und an der Verlosung des besonderen Essens für 2 Personen in Wert von über 1000,- CHF teilzunehmen. Dieser Wert wurde aufgrund der Gesamtkosten für den Einkauf und Transport aller von uns erworbenen Lebensmittel errechnet. Nach der Ziehung, bei der die GewinerInnen ermittelt und gleich zu Tisch gebeten wurden, wurde nun das wertvolle Essen serviert.

Nach dem vollendeten Mahl erhielten die bis dahin nichts ahnenden Gäste eine authentisch gelayoutete Quittung, die sich allerdings anhand ihrer Länge stark von den gewöhnlichen Quittung unterschied. Hier wurden alle Einkäufe mit den entsprechenden Transportkosten aufgeführt, ingesamt 1069.35 Schweizer Franken und die zurückgelegte Entfernung aller bestellten Produkte für das Dinner summierte sich dabei auf 120003 km = 3 Mal um die Welt.

Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit mit Ana Strika realisiert.

Aufgeführt 09.2009 im Rahmen der Ausstellung Nahrung. Schedhalle Rote Fabrik. Kuratiert von Esther Eppstein.. gekocht von Magdalena Baranya mit Unterstützung von Danaela Strika


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