Nach dem jährlichen Eingabetermin der Dossiers für die Teilnahme am begehrtesten aller Kunstwettbewerbe in der Schweiz – Swiss Art Awards drehen sich die Gespräche unter den Schweizer Kunstschaffenden ununterbrochen um die Prognosen für den Ausgang des Wettbewerbs, die Vor- und die Nachteile einzelner WettbewerbteilnehmerInnen und die vermeintlichen Vorlieben der Jury. Gerüchte über mutmassliche Seilschaften machen sich breit. Die gesamte Schweizer Kunstszene gerät zunehmend in einen Ausnahmezustand. Das Projekt kunstwette.ch geht diesen Mechanismen kritisch nach und thematisiert die im gegenwärtigen Kunstbetrieb etablierten Wettbewerbsstrukturen am Beispiel des Eidgenössischen Wettbewerbs für Kunst. Parallelen zu einem Wettrennen, bei dem Spielende die Möglichkeit erhalten, die leistungsstärksten „Pferde" zu bestimmen und Geld auf sie zu setzen, liegen auf der Hand. Konkurrenz, Intuition, Spannung und nicht zuletzt die Einflussnahme auf die Wertsteigerung der FavoritInnen sind hier wie da von entscheidender Bedeutung.






Die Umsetzung des Projektes findet in Form eines mobilen Wettbüros zu Gast bei verschiedenen Schweizer Kunstinstitutionen und virtuell in Form einer interaktiven Projekthomepage statt. Kunst-ZockerInnen bekommen so die Gelegenheit, Wettscheine an einer der Wettstationen zu erwerben und auf ihre FavoritInnen unter den TeilehmerInnen der Swiss Art Awards 2010 Geld zu setzen.

Nachdem die Entscheidung der Eidgenössischen Kommission offiziell bekannt gegeben wird, beginnt die Auszahlung der Gewinne an die richtig Getippten. Die virtuelle Filiale des Wettbüros auf der Webseite kunstwette.ch informiert InteresentInnen über die Route des mobilen Wettbüros. Neben einer umfassenden Datenbank mit Portraits und Kurzbiografien beteiligter Kunstschaffender sind auf der Homepage auch Wetttipps und -Prognosen namhafter Persönlichkeiten aus der Schweizer Kunstszene und den BesucherInnen des mobilen Wettbüros in Form von Videosequenzen abrufbar. Ausserdem können sich hier die Wettenden über die stetig wechselnden Rankings einzelner Kunstschaffender informieren, die sich laufend, anhand der Menge der gesetzten Wettscheine verändern.

Zwischen August 2010 und November 2012 lief aufgrund der Missachtung des Schweizerischen Lotteriegesetzes ein Gerichtsverfahren gegen das Projekt. Die Verteidigung übernahm der Zürcher Anwalt Herbert Pfortmüller. Im November 2012 wurde die Anklage in dritter Instanz vom kantonalen Obergericht Zürich fallen gelassen und eine Kompensation ausbezahlt.


Weitere Informationen zum Gerichtsverfahren unter: http://kunstwetteprojekt.wordpress.com

Projekt online unter: www.kunstwette.ch

Wettprognosen der Schweizer KunstexpertInnen:

Esther Eppstein/Message Salon, Patrick Huber/ Kunstraum Walcheturm, Daniel Kurjakovic - Kunsttheoretiker, Kurator, San Keller - Künstler, Giovanni Carmine - Kurator / Kunst Halle Sankt Gallen, Chri Frautschi - Kunstaktivist, Leiter / lokal.Int, Andrea Thal - Kuratorin / Les Complices*, Adrian Riklin - Kulturredaktor / WOZ, Fanni Fetzer - Kuratorin / Kunsthaus Langenthal, Heinrich Gartentor - Künstler, Präsident VISARTE Schweiz, Patrick de Rahm - Direktor / Festival Les Urbaines Lausanne. Thomas Haemmerli - Kolumnist, Marica Gojevic - Künstlerin, Ruth Monnier - Kulturschaffende, Mark Divo - Künstler, Kurator


Folgende Stationen bildeten die Route des mobilen Wettbüros: Biel – Lokal.Int, Luzern – HSLU Design & Kunst, Zürich - Message Salon, Bern , Hochschule der Künste Bern, St. Gallen – Kunst Halle Sankt Gallen, Lausane – Le Bourg & Musée des beaux-arts Lausanne, Genf – agent double, Thun - Schiff „MS Stadt Bern" - Delegiertenversammlung VISARTE Schweiz, Basel – Messehalle 3, Swiss Art Awards 2010. Die Dokumentation war 06-09.2010 im Helmhaus Zürich bei der Atelier- & Werkstipendienaustellung zu sehen.