Eine Gruppe aus Schweizer PolitikerInnen, Journalisten und TouristInnen begibt sich im Rahmen einer organisierten Reise in die atomverseuchte Sperrzone von Tschernobyl. Dort besuchen sie Betroffene, werden auf einen Willkommensgruss bei der Stadtverwaltung empfangen, wohnen einer Trauerzeremonie zum 25. Jahrestag des Havarie bei und begeben sich auf einen Ausflug in die verlassene „Geisterstadt" Prypjat. 5 Tage lang begleitete und befragte ich die Reisenden auf ihrer Tour und konzentriere mich dabei auf deren persönlichen Wahrnehmung, Wünsche, Ängste und Erkenntnisse. Der Film Warm-Glow* wird mit einem Smartphone gedreht. Dieses technische Equipment ermöglicht es mir, mich als ein „normales" Reisemitglied unter die Reisenden zu mischen. Als die Reisegruppe im April 2011 in die Ukraine aufbricht, ahnt kaum jemand, dass sich mit dieser Tour ein historischer Beschluss des Schweizer Parlaments in Hinblick auf den Atomaustieg ankündigt.




Ich bin 1976 in Kiew geboren und kann mich – damals neunjährig – heute noch in allen Einzelheiten an die Ereignisse des 26.04.1986 erinnern, die die Geschichte meiner Familie so einschneidend geprägt haben. Als ich zum ersten Mal von den touristischen Ausflügen nach Tschernobyl erfahre, reizt es mich sogleich – mit einer Mischung aus Neugierde einer Aktionskünstlerin gepaart mit der Erinnerung an die Furcht der unmittelbar Involvierten – eine solche Tour aus der Perspektive der Reiseteilnehmenden zu dokumentieren und der Frage nachzugehen, warum sie, sich über jegliche gesundheitliche und moralische Bedenken hinwegsetzend und einen hohen finanziellen Aufwand nicht scheuend, sich aus freien Stücken an den Ort begeben, aus dem Menschen alles zurücklassend und unter panischer Angst geflohen sind.

* Der Begriff Warm-Glow wurde in den späten 1980er Jahren von dem Ökonom James Andreoni eingeführt, dem zufolge altruistisches Verhalten letztlich einen Mehrwert für den Gebenden bewirkt, indem er ein gutes Gefühl und somit einen immateriellen Nutzen generiert. Es wird einem sozusagen warm ums Herz, wenn man hilft, spendet oder anderweitig altruistisch handelt. Warm-Glow ist, so Andreoni, letztlich auf ein egoistisches Motiv zurückzuführen. Andreoni, James: „Impure Altruism and Donatations to Public Goods: A Theory of Warm-Glow", in: The Economic Journal, Heft 401 (1990)


Länge: 50 Minuten

Produktion: Gabriela Bussmann / GoldenEggProduction  

Regie und Kamera: Marina Belobrovaja

Schnitt: Tania Stöcklin und Marina Belobrovaja  

Postproduktion: Trinipix  



Aufführungen:

Premiere bei den Solothurner Filmtagen Januar 2014 , Festival Les Urbaines Lausanne Dezember 2013 (Vorpremiere), Kino Riffraff Zürich Mai 2014, 4th International Uranium Film Festival Rio de Janeiro Brasilien 2014, Opuzen Film Festival Kroatien 2014, Jameson CineFest International Film Festival Miskolc Ungarn 2014, Uranium Filmfestival Berlin Deutschland 2014, InternationalTV Festival BAR Montenegro 2014, Kino im Kunstmuseum Bern November 2014, FLIZ in Zug 2015

Demnächst: Radio Télévision Suisse


Zum Film erscheint eine DVD in kleiner Auflage

mit einem Artikel von Johanna Lier

Sprachen DE/EN

Gestaltung: Anton Studer / Büro Haeberli

25 CHF

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